Pädagogisches

  • F: "Was gilt es bei Kindern mit Behinderung  besonderes zu beachten?"
    • Zu erst sollte in einer Probestunde herausgefunden werden ob das Kind in die Gruppe passt und ob es mit den Aufgaben klar kommt.

      Eine klare Struktur des Trainings und der Aufgaben ist hilfreich. Vor allem die Kommunikation gestaltet sich bei Kindern und mir Autismus schwieriger. Meiner Erfahrung nach ist es wichtig die Eltern mit in die Kommunikation einzubinden. Je nach Ausprägung des Autismus werden die Kinder selten direkt kommunizieren wenn etwas nicht passt. Klär mit den Eltern ab, wie sich das Kind verhält wenn etwas nicht stimmt und hole dir regelmäßig Feedback ab. Scheu dich aber auch nicht davor direkt die Kinder zu fragen. Es ist für alle Hilfreich, wenn du sie nicht anders behandelst als die anderen.

      Kinder mit Trisomie 21 z.B. sind eher etwas langsamer von der Auffassung der Techniken. Lass ihnen einfach den Freiraum, den es brauchen und erwarte nicht, dass sie alles technisch korrekt mitmachen können.


  • F: "Was mache ich, wenn ich bei einem Kind Auffälligkeiten im Verhalten feststelle?"
    • Nehmen wir als Beispiel Autismus. Habt ihr das Gefühl, bei einem Kind Auffälligkeiten im Verhalten festzustellen könnt ihr ganz vorsichtig und mit viel Feingefühl die Eltern einmal darauf ansprechen. Seit euch aber bewusst, dass Eltern diese Dinge gerne Ignorieren und das eigentlich auch nicht eure Aufgabe ist! Eine Phrase die sich dafür eignet ist folgende: Mir ist aufgefallen dass das Kind [sich wie verhält?] Macht es das bei anderen Begebenheiten auch oder passiert das nur hier?


  • F: "Wie kann ich dafür sorgen, dass sich die Kinder im Training benehmen?"
    • Klare Rituale und Regeln sind hier ein Schlüssel zum Erfolg.Als Beispiel:

      Vor jedem Training setzten wir uns in den Fersensitz Die Kinder gegenüber von den Lehrenden. Wir schließen für einen kurzen Moment die Augen und kommen beim Training an.

      Während des Trainings achten wir darauf, dass bei Partner*innen Wechsel an und abgegrüßt wird. Das Schwert wird z.b. Vor das Gesicht gehoben oder ähnliches. Dem HALT Befehl ist sofort und ohne Diskussion zu folgen. Nach dem Training setzten wir uns gemeinsam in einen Kreis und holen ein kurzes Feedback ein, bevor wir wieder für einen Moment die Augen Schließen und inne halten.

       

      Grundregeln können gut zusammen mit den Kindern erarbeitet werden. Wichtig hierfür ist eine Einfachheit und nicht zu viele. Hier unsere Beispiele:

       

      1. Die Respekt Regel

      Gehe respektvoll mit deinen Trainingspartner*innen und Trainer*innen um. Verletze deine Partner*innen nicht oder tue ihnen nicht absichtlich weh.

      1. Die HALT Regel

      Sobald dir etwas nicht passt sag laut und deutlich HALT! Wenn du ein HALT hörst stoppe mit dem, was du gerade machst.

      1. Die ICH Regel

      Nur Du kannst wissen wenn du dich nicht wohl fühlst oder dir etwas nicht passt. Sollte das der Fall sein sprich mit den Trainer*innen

      1. Die Schwertregel

      Außerhalb der Übungen muss die Schwertspitze immer zum Boden zeigen

      1. Die Hygiene Regel

      Komm Sauber und gepflegt zum Training! Finger und Fußnägel geschnitten und Hände und Füße gewaschen.      

      Hängt diese Regeln gerne gut sichtbar und am besten mit Bebilderung auf, so dass ihr diese immer mal wieder Thematisieren könnt.


  • F: "Wie gestalte ich einen guten Trainingsplan für Kinder?"
    • Bei Kindern ist es generell wichtig, dass wir ihnen im Sport einen freien, sicheren Raum bieten. Sie haben schon genug Leistungsdruck und sollen eher Spaß am Spiel haben und sich mal so richtig austoben können. Die korrekte Technik ist da eher Nebensache und kommt irgendwann von ganz alleine. Die Eltern zu bitten dem Training nicht zu zu gucken ist auch keine schlechte Idee. Das hilft den Kindern selbständig zu werden.

      Einfach mal die Kids nach Spielen fragen. Die haben ein riesiges Repertoire und freuen sich immer, wenn sie der Gruppe etwas erklären können. Ich lasse sie am Anfang des Trainings oft 2-3 Spiele aussuchen, die wir dann spielen.

      Es ist empfehlenswert über einen längeren Zeitraum bestimmte Inhalte zu trainieren. Also einen Hauptteil, der sich nur geringfügig ändert wie z.B. Parade, Riposte im Technikteil. Es empfiehlt sich ca. einen bis zwei Monate an einem Thema zu arbeiten bevor dieses gewechselt wird.

      Auch das Feedback der Eltern kann hier gut eingeholt werden, da die Kinder oftmals den Eltern vom Training erzählen und Wünsche äußern.

      Als Grundstruktur empfiehlt sich folgendes:

      1. Leichtes aufwärmen der Gelenke und Muskeln
      2. Spiele (3 Stück)
      3. Ringen
      4. Technik
      5. Freies Kämpfen (gerne auch in spielen eingebunden)

    • F: "Wie geht man am besten mit dem Freikampf bei Kindern um."
      • Bei Kindern ist besonders darauf zu achten, dass diese sich nicht weh tun. Kinder haben ihre Kraft oftmals noch nicht gut unter Kontrolle. Je nach Ausrüstung und Wissens/Könnens Standes müssen hier entsprechende Regeln aufgestellt und befolgt werden.

        Stiche sind mit Polsterwaffen eher gefährlich, da diese oftmals keinen Flex haben. Schläge auf den Kopf sollen vermieden werden. Hier ist es wichtig den Kindern ein abbremsen der Waffe beizubringen oder den Kopf generell als Trefferfläche auszuschließen.

        Gerade auf die Einhaltung der aufgestellten Regeln muss im Freikampf geachtet werden. Kommunikation ist auch hier entscheidend. Kinder sind wild und ungestüm. Wenn Sie zu Hart werden muss man ihnen erklären, dass das gefährlich ist und dem Gegenüber weh tun kann.


    • F: "Gibt es es eine Liste mit Erklärungen für Spiele, die man zum aufwärmen nutzen kann?"
      • Ja, in der Training Community und hier im Kurs findet ihr das Dokument.


    • F: "Wie gehe ich mit Querulanten/Systemsprengern um?"
      • Zuerst sollte geschaut werden, wo das Problem liegt. Von "Ich habe heute einfach keinen Bock" über ADHS bis hin zu "echten Systemsprengern" ist die Bandbreite groß!

        Aus unserer Erfahrung bringen Kinder und Jugendliche einem den Respekt entgegen, den wir ihnen entgegen bringen. Die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen sollten immer im Vordergrund stehen. Wenn ein Kind einfach mal keine Lust hat, dann ist das halt so. Eine Pause oder auch das aussetzen des Unterrichtes z.b. Nur durch zugucken sind valide Optionen. Einfach mal das Kind fragen, was es gerade braucht.

        ADHS

        Kinder mit echtem ADHS sind wie Tornados, die durch den Raum fegen und sich nur sehr schwer konzentrieren können. Am Anfang sollte deshalb hier das austoben stehen. Nicht zu viele Grenzen und Regeln. Hat sich das Kind ausgetobt kann es dem Technischen Teil des Trainings viel besser folgen.

        Kinder mit ADHS schweifen immer wieder ab und machen Dinge, die die Trainer*innen teils ablenken und ärgern können. Wichtig ist, dass dieses Verhalten nicht als Böswillig betrachtet oder persönlich genommen wird. Auch hier macht sich aus unserer Erfahrung bezahlt, wenn das Kind die Trainer*innen respektiert. Es sollte genau so auch mal Quatsch und Spaß mitgemacht werden. Wichtig sind hier allerdings ganz klare grenzen, die dann auch eingehalten werden müssen. Als Beispiel wäre hier der Umgang mit der Waffe oder das wiederholte nicht befolgen von Anweisungen.

        Systemsprenger

        Vorweg sei gesagt, dass uns als Sportlehrer*innen hier klar die Mittel fehlen. Echte Systemsprenger brauchen Psychologische Unterstützung. Sollte ein Kind einfach nicht in die Gruppe passen ist es wichtig die Interessen der Gruppe als ganzes in den Vordergrund zu stellen.

        "Systemsprenger – was heißt das eigentlich?

        Als „Systemsprenger“ oder auch „Grenzgänger“ werden Kinder und Jugendliche bezeichnet, für die es auf Grund ihres auffälligen Verhaltens nur wenig bis gar keine adäquaten Unterstützungs- oder Betreuungsmöglichkeiten gibt. [...] In der Fachwelt ist dieses Wort umstritten.

        "Diese Kinder und Jugendlichen zerstören kein funktionierendes System. Es sind eher gescheiterte Systemprozesse, die dazu führen, dass diese Personen nirgendwo ausgehalten werden."

        Marek Zeliska

        SOS-Kinderdorfleiter Burgenland

        Kinder und Jugendliche, die durch ihr Verhalten (ständige Regelbrüche, Aggression, Gewalt) in kein Betreuungsangebot passen, sind nur schwer vermittelbar. Für ihre speziellen Bedürfnisse fehlen im System der Kinder- und Jugendhilfe maßgeschneiderte Angebote.

        [Quelle: https://www.sos-kinderdorf.at/so-hilft-sos/wie-wir-helfen/systemsprenger]